Erzbischöfliche St.-Anna-Schule

Alle guten Dinge sind Fünf!

Die Alpen AG geht auf Bergtour!

Böse Zungen und unwissende Zeitgenossen fragen bereits: wird das nicht irgendwann langweilig? Immer dieselben Wege, dieselben Hütten, dieselben Hüttenwirte, dieselbe Natur, dieselben Gefahren und dieselben Abgründe? Einfache Antwort: natürlich nicht! Zumindest nicht für die aktuellen Teilnehmer*innen der Alpen AG 21/22, die mit der Überquerung des Alpenhauptkamms von Berchtesgaden nach Lienz in Osttirol ihre knapp einjährige Vorbereitung abschließen.  Und bestimmt wird auch diese Tour wieder ein Höhepunkt der Schullaufbahn an unserer geschätzten Lernanstalt sein.

 

Und für Kollegin Meerpohl und mich ist es auch immer wieder spannend, wie sich das Team dann auf der Tour entwickelt. Schließlich ist alles an der Schule in der AG Stunde Theorie, verbunden mit Sport. Die Wanderungen im Bergischen sind sicher reizvoll, aber kein Vergleich zu dem, was uns im Hochgebirge erwartet. Und zusätzlich haben wir einen neuen Streckenabschnitt im Programm, sodass für uns zwei schon genug Abwechslung dabei ist.

 

Wir bedanken uns schon mal jetzt bei der Webredaktion, die meine literarischen Einfälle wieder professionell samt Fotos auf der Startseite präsentiert. Reisen Sie mit uns, lassen Sie sich inspirieren und dies sei vor allem der aktuellen Jgst. 9 und der Einführungsphase ans Herzgelegt, denn wir werden selbstverständlich auch in diesem Schuljahr wieder eine AG anbieten, mit der es dann im nächsten Jahr nach den Ferien wieder auf dieselbe Route geht! 

 

Viel Spaß beim Lesen und Mitschwitzen in Gedanken und allen einen guten Start in ein hoffentlich normales Schuljahr!

Tag 1 - 6. August: Anreise

Wieder beginnt das Abenteuer Alpenüberquerung viel zu früh. 4:00 Uhr aufstehen is nix für Papas Sohn. Wenigstens ist die S-Bahn pünktlich, ich steige wie letztes Mal in Bochum in den ICE nach München und überlasse es meiner Kollegin und den beiden neuen Co Chefs die Kinder in Empfang zu nehmen und auf Vollständigkeit sowie Tauglichkeit nochmals zu prüfen, die Eltern zu beruhigen, das Abschiedsfoto zu machen und die Kinder in den richtigen Waggon zu setzen. Das klappt reibungslos. In München kommen wir fast pünktlich an, erreichen den Regionalzug nach Freilassing und verpassen dort wegen technischer Probleme den Anschluss. Die eine Stunde überbrücken wir mit Warten. Freilassing ist nicht so ein hippes Pflaster. In Berchtesgaden angekommen, werden wir freudig empfangen. Nicht vom Watzmann, sondern von Nebel und Regen. Leicht angefeuchtet treffen wir in der Jugendherberge ein. Zimmer beziehen, Abendessen, Lagebesprechung, bisschen Freizeit und dann gehts ab ins Bett. Morgen gehts früh raus, auch wenn die Tour zur Wimbachgrieshütte auch Menschen machen können, die nichts von Bergen halten. Das eigentlich Abenteuer beginnt dann am Montag. 

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Tag 2 - 7. August: Wimbachgrieshütte

Gut geschlafen gehts morgens ans Frühstücksbuffet. Aufgrund der Alpen-AG-Anfangseuphorie der Teilnehmer*innen bin ich tatsächlich der letzte, der sich um 07:00 Uhr einen Kaffee eingießt. Ich sollte meine Ansagen vom Vorabend vielleicht selbst ernster nehmen…

Nach dem Frühstück gehts runter zur Bushaltestelle, der Bus bringt uns pünktlich zur Wimbachbrücke. Und dort startet nun unser Abenteuer Alpenüberquerung. Und die beginnt ausnahmsweise mal nicht per Folklore Fahrt mit dem
Touristenboot über den schönen Königssee, sondern mit der Durchquerung der Wimbachklamm. Eine beeindruckende, enge Schlucht. Sagenhafte 300 m lang (300 m kosten 3,- … soll mal einer sagen, die Bayern hätten das Mautproblem nicht im Griff…). Nichtsdestotrotz eine ziemlich coole Schlucht: wildes, reißendes Wasser, kleine Wasserfälle, ein gesicherter Steig über Treppen mit Geländer… nach knapp 20 min ist das Abenteuer vorbei, und es geht über einen ziemlich unspektakulären Fahrweg tief ins Wimbachgries. Das ist ein beeindruckender, wüster Schuttstrom, der sich kaum merkbar ins Tal bewegt.

Unterwegs stoppen wir am Wimbachschloss, einem Berggasthaus mit fidelerer Bedienung. Die ersten Jungs können Brezeln, Käsekuchen, Schnittchen und Schlossdudler nicht widerstehen. Kein Wunder, das Frühstück liegt gerade mal zwei Stunden zurück und angesichts der tiefen Klamm und einem heftigen Aufstieg von 220 m, muss man sich umgehend umfassend stärken. Vollster Magen läuft bekanntlich richtig gut!!

Danach gehts weiter ins Tal, bis gegen 13:00 Uhr die Wimbachgrieshütte auf 1325 m erreicht ist. Die ersten Etappe hammwa! Ab morgen gehts dann richtig zur Sache, wenn die erste richtige Bergtour auf dem Plan steht. 

Hier wird jetzt erst mal gegessen. Was sonst? Kaaspressknödel, Speckknödel, Spinatknödel… all diese feinen Dinge schmecken „hier oben“ immer noch am besten. Der Rest des Tages wird mit Lesen, Musik, laut sein und … natürlich… Werwolf spielen verbracht. Co-Chef Mark wirft sich jedoch nach einer Stunde genervt neben mich ins Lager und meint, es sei dabei noch viel Luft nach oben. Aber… wir haben noch 12 Nächte. Da sollte eine Professionalisierung gelingen!

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Tag 3 - 8. August: Kärlingerhaus

Mit einem frühen Frühstück beginnt wie üblich der übliche Tag eines Alpenüberquerers. Und dann holt man immer den Wetterbericht ein. Und am zuverlässigsten ist immer der Blick durchs Fenster. Und der ist heute ziemlich grau und ziemlich nass. Draußen regnet es leicht, aber es ist eben diese Sorte Regen, die einem ganz tief in Klamotten kriecht. Ich stelle erneut fest, dass meine als unglaublich wasserdicht und atmungsaktiv angepriesene Hightechjacke alles ist, nur nicht das. Aber da muss man jetzt nun mal durch. Regen und Wetter und miese Sicht sind genauso Teil einer Bergtour, wie schönes Wetter und tolle Temperaturen. 

Die fidelen Wandersleute scheints nicht zu stören. Es geht moderat nach oben bis zum Trischübel Pass auf 1720 m. Dort nehmen wir den Weg zum Oberlahner Steig. Premiere! Den Weg kennen wir noch nicht. Angeblich ein regelmäßiger, von der DAV Sektion gewarteter Weg, der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Die letzten beiden Aspekte treffen treffsicher zu, der erste eher nicht. „Ist hier wie im Urwald von Borneo. Feucht, dicht, undurchdringlich.“ So ist das da? Dann muss ich ja nicht mehr hin. Kenne ich jetzt. Aber der Weg hat es in sich. Links gehts steil in die Tiefe und Aufmerksamkeit ist hier oberste Tugend. Aber es gibt Seilversicherungen, Eisentritte und eine Kathi die vorneweg läuft. Irgendwann treffen wir dann auf den sich von St. Bartholomä am Königssee hochschlängelnden Normalweg, genannt Saugasse. Auf dem sind wir im letzten Jahr zum Kärlingerhaus aufgestiegen. Auch steil, aber eben nicht so wie auf Borneo. Ich bin trotzdem ganz froh, dass wir den Steig hinter uns haben. Mit 16 Teenagern im Schlepptau ist so ein Pfad dann doch eine Hausnummer. 

Am Kärlingerhaus staunen wir. Zunächst über die Preise und dann über die Sonne, die sich endlich zeigt. Alle rennen runter zum Funtensee. Die 7,- für 3 Minuten duschen kann man sich mit einem beherzten Sprung ins kalte Wasser so sparen. Das übliche gemeinsame Abendessen beschließt den anstrengenden Tag. Die ersten liegen bald brav im Lager. Morgen gehts dann zum Ingolstädter Haus. Auch ein sehr feines Plätzchen! Und wenn wir das bei Sonnenschein erreichen, wäre das sehr vorzüglich!

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Tag 4 - 9. August: Ingolstädter Haus

Morgens dichter Nebel. Aber nach dem Frühstück lichtet der sich so langsam und die Kinder sehen, dass wir tatsächlich in den Alpen (und nicht auf Borneo) sind. 

Auf gehts zum Ingolstädter Haus mitten im Steinernen Meer. Der Weg dorthin ist nicht sehr lang, aber 600 m müssen wir doch rauf. Für vier Wanderer und mich ein ausreichendes Fitnessprogramm. Der Rest kraxelt mit Kathi noch „kurz“ auf den über 2000 m hohen Viehkogel, dem Hausberg des Kärlingerhauses. Die einen in der Hoffnung auf tolle Rundumsicht auf Watzmann, Schönfeldspitze, Großer Hundstod und wie die ganzen Berge hier alle heißen. Aber wetten, dass sich das Gerücht hartnäckig hält, dass man da oben top LTE Empfang hat? Is aber nicht, haha… einige Jungs müssen nun doch die Ergebnisse der Bundesliga schätzen. Zudem ist der Weg rauf und wieder runter auch nicht ohne. 

Wir sind da schon lange fast an der Hütte für heute Nacht angekommen. Unterwegs gibts atemberaubende Blicke auf das Steinerne Meer und die Funtenseetauern. Murmeltiere und Schafe lassen sich von uns nicht beim entspannt leben stören. An der Hütte angekommen, gibts Radler, Kaiserschmarren, Süppchen… Rituale muss man beibehalten! 

Die anderen kommen später dazu. Einige sichtlich angeschlagen. Aber das Süppchenritual zaubert fix wieder Farbe ins Gesicht. Soll mal einer sagen, dass eine kräftige Gulschsuppe nicht eine ähnliche Wirkung erziehlt, wie diese teure Zuckerbrühe eines zweifelhaften östereichischen Milliardärs, die angeblich Flügel verleiht. Wer nicht ausruht, geht vor dem Abendessen noch auf den Kleinen Hundstod und siehe da: Handyempfang! So nimmt der Tag doch noch ein glückliches Ende. Das Gratiskonzert der Wirtsleute mit Tuba, Trompete und Rumtata um 22:00 sparen wir uns aber und verschwinden im Lager. Zu viel des Guten an einem Tag ist auch nicht gut… morgen wirds mit der Querung des Steinernen Meers bis zur schicken Peter-Wiechenthaler-Hütte auch sehr gut! 

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Tag 5 - 10. August: Peter-Wiechenthaler-Hütte

Zum Beginn des neuen Schuljahres begrüßen uns Sonne, blauer Himmel und wenige Wolken. Dazu gibts ein famoses Frühstücksbuffet! Nach dem feinen Start gehts quer über das Steinerne Meer mit vielen Ups and Downs Richtung Weißbachscharte. Kurz davor machen wir eine längere Pause, denn dann gehts rauf 2400 m. Das macht aber nichts, denn wir sind schon auf über 2000 m. Insgesamt sind es an diesem Tag lediglich 360 Höhenmeter in die Höhe, aber dafür gehts 720 Meter in die Tiefe. Vor dem Abstieg genießen wir die Fernsicht auf das Kitzsteinhorn und die vergletscherten Gipfel der Glocknergruppe bis hin zum Großvenediger, dem zweithöchsten Berg der Alpenrepublik.  Ab Freitag wandern wir dann stets in eisigen Höhen, immer oberhalb von 2200 m.

 

Aber erstmal müssen wir nun runter. Und das erfordert wiederum Aufmerksamkeit. Der Pfad ist steil, teils ausgesetzt, mit Drahtseilen versichert und voller Geröll. Nichts für empfindliche Knie und mangelhafte Wanderstöcke. Dementsprechend zieht sich dieser Weg, unsere Hütte für die Nacht immer im Blick. Die thront auf einem kleinen Gipfel, hoch über dem Tal. Dort angekommen erwarten uns sämtliche kulinarische Köstlichkeiten der österreichischen Küche, präsentiert und serviert von einem gut gelaunten und fröhlichen Hüttenteam. Und: endlich Empfang! Endlich kann man Insta und TikTok checken, Mamas, Papas, Opas, Omas, Lebensabschnittsgefäht*innen und besorgte Schuleiter informieren, dass man nicht irgendwo schwer verletzt in einer Felsspalte liegt und dem Ende entgegen siecht. Wir hatten ganz einfach (bis auf wenige auserwählte Auserwählte gestern auf dem Zweitgipfel) kein Netz. Ganz ehrlich? Gut so. Meistens kommt eh nur Quatsch rein und wir wollen ja die Natur ungestört genießen! Das Smartphone kann eine Hilfe sein und ist es sicher auch, gelegentlich aber lenkt es doch zu sehr von wirklich wichtigen Dingen ab. Und sei es, dass mangelhafte Empfang einen dazu zwingt, sich mit dem Gegenüber freundlich zu unterhalten.

 

Abends gibts wieder Rippchen und Pommes. Beim Preis kommt man uns auf der Hütte sehr entgegen. Dazu eine traumhafte Aussicht von der Sonnenterrasse auf das Tal von Saalfelden bis nach Zell am See. Noch Fragen, ob man den Start in ein neues Schuljahr besser beschließen kann? 

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Tag 6 - 11. August: Trauneralm

Heute ist ein entspannter Tag und der ist auch nötig, denn morgen gehts zur Sache. Der Übergang zum Glocknerhaus über die Untere Pfandlscharte auf knapp 2663 m ist anstrengend. Von daher steht heute nur der Abstieg nach Saalfelden und der Transfer nach Ferleiten an. Für den Abstieg teilen wir uns auf. Kathi nimmt die schwarze Piste über die Steinalm mit ausgesetzten Stellen, viel steil und viel Drahtseil. Ich gehe über den Normalweg. Erstaunlich, wie viele schon in der Früh zur Wiechenthaler Hütte aufsteigen. Uns kommen jede Menge Wanderer entgegen, von motiviert bis verzweifelt. Runter ist der Pfad jedoch recht unspektakulär, ein wenig aufpassen muss man schon. Irgendwann geht der Weg in einen Fahrweg über und bald ist man in Saalfelden. Auch nicht wirklich spektakulär, aber es gibt ein Einkaufszentrum, in dem man sich mit dem Nötigsten versorgen kann. Wenigstens müssen wir diesmal kein neues Schuhwerk kaufen. Bis auf Stöcke und Blasenpflaster sind alle perfekt ausgerüstet. Einige zu perfekt, für den einen oder anderen Rucksack braucht es eigentlich einen Tieflader… haben wir nicht eine Obergrenze festgelegt…? 

Mit dem Bus gehts zum Bahnhof, von da mit dem Zug nach Zell am See, mit kurzem Aufenthalt zum Shoppen für diejenigen, die noch in die Seile am Berg wollten und dann weiter mit dem Bus nach Ferleiten. Durchs Käfertal steigen wir zunächst langsam und gemächlich auf. Rechts lassen sich hier und da Reste der einst bis tief ins Tal reichenden Gletscher erkennen. Der Klimawandel lässt grüßen und die aktuelle Hitzewelle verstärkt das Ganze auch noch. Nein, nein… es steht nicht gut um unseren Planeten.

Auf dem Weg wie immer: der Wasserspielplatz. Und auch hier wird der Tradition gefrönt. Einer versucht auf nem Seil über den Teich zu balancieren und landet selbstverständlich mit voller Montur im Teich. Ein weiterer folgt. Immerhin habe ich diesmal angeordnet, dass vor Betreten von irgendwas mit Wasser, die Schuhe auszuziehen sind. Nasse Schuhe machen Blasen und davon haben wir diesmal genug.

Irgendwann gehts weiter und nach 320 Hm ist die Trauneralm erreicht, wo uns Sissy und Mathew freudig begrüßen. Schließlich sind wir ja nun doch so langsam Stammgäste. Frisch machen, Abendessen, Zusammensein und ab ins Bett. Ich sah, dass es gut war. Es wurde Morgen und es wurde Abend: Sechster Tag. 

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Tag 7 - 12. August: Glocknerhaus

Frühstück! Bei Sissi gibts wie immer ausreichende und abwechslungsreiche Kost… als Bergsteiger muss man gut gestärkt ans Werk. Wir verabschieden uns von der lieben Sissy. Im nächsten Jahr werden wir wieder hier sein. 

Der Pfad zur Pfandlscharte geht zunächst über die Weiden der Trauneralm, stets unter den wachsamen Augen der Miclhkühe und steigt dann steil an. Wie jedes Mal halten wir an den Wasserfällen auf halber Höhe und machen die erste Pause. Verfolgt werden wir heute mal wieder von einer Gruppe, die vom Watzmann zu den drei Zinnen in Südtirol läuft. Dabei unterschlagen die natürlich, dass sie jede Menge Wegstrecke mit Taxis und Bussen zurücklegen. Wir sind da doch härter im Nehmen!! Wir fahren nur einmal mit nem Bus…

Irgendwann sind wir hoch oben im Gletscherkar. Von dem „ewigen“ Schneefeld auf dem letzten Drittel rauf zur Scharte ist bis auf Reste nichts mehr zu sehen. Der Winter war dieses Jahr so arm an Neuschnee (teils nicht mehr als drei Meter, was hier oben sehr wenig ist!), sodass auch dieses Schneefeld vor den außergewöhnich hohen Temperaturen kapitulieren musste. Der Weg geht daher über das Geröllfeld nebenan, ist aber gut markiert, ausgetreten und machbar. Alle Kinder kommen heile oben an. Auf den Besuch des Spielmann als optionalem Gipfel verzichten wir heute. Der Himmel zieht sich für diesen Exkurs immer mehr zu und es pfeift ein kalter Wind. Grund genug für einige aus der Wanderung einen High-Speed-Berglauf zu machen. Kathi und ich gehen entspannt hinterher und genießen die Aussicht. Irgendwann kommen jede Menge Schafe und wollen von Kathi gestreichelt werden. Komisch… vor mir nehmen die immer Reißaus. Dabei kann ich auch wirklich freundlich gucken… 

Irgendwann ist das Glocknerhaus erreicht. Hier gibts die üblichen Schmankerln, eine heiße Dusche und den unverbauten Blick auf Österreichs höchsten Berg. Der wird uns die nächsten Tage begleiten, wenn wir zur Glorer- und zur Elberfelder Hütte aufbrechen. Übrigens sitzen wir nächste Woche im Zug nach Düsseldorf. Aber das gehört wohl auch dazu… Abends können wir uns am Buffet bedienen. Auch hier kommt uns der Betreiber mit den Preisen für Kost und Logis entgegen und dafür darf man auch an dieser Stelle Danke sagen!

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Tag 8 - 13. August: Glorer Hütte

Der heutige Tag begann sehr enttäuschend, denn Olli (aka Herr Thüner) musste uns leider krankheitsbedingt verlassen und abreisen. Die Tour kann zum Glück wie geplant weitergehen, trotzdem ist es natürlich nicht mehr das Gleiche. Für diesen Blog bedeutet das auch eine Änderung: ab jetzt sind wir, die beiden Co-Chefs Emma und Mark, hierfür verantwortlich und nach acht Jahren höchstqualitativem St-Anna-Unterricht sind wir dieser Aufgabe sicher gewachsen.


Nachdem wir uns also verabschiedet haben und aufgebrochen sind, war die Stimmung eher ein bisschen niedergeschlagen. Das Wetter hatte allerdings bessere Laune und so hatten wir eine perfekte Aussicht auf den Großglockner und die Glocknerpasterze, beziehungsweise auf das, was davon noch übrig ist. Unsere heutige Etappe führte ganz im Schatten von Österreichs höchstem Gipfel entlang des Wiener Höhenweges. Es begann mit dem Aufstieg zur Stockertscharte auf 2505 m. Ein letzter Ausblick auf das Tal mit dem blauen Margaritzenstausee war noch möglich, bevor Emma das Tempo anzog und sich mit ihrer Gruppe auf dem Höhenweg mit atemraubenden Tiefblicken ins Leitertal rasant schnell Richtung Salmhütte bewegte. Da waren Kathi (aka Frau Meerpohl) und Ich doch etwas entspannter unterwegs und erreichten trotzdem den Ort unserer Mittagspause. Die Salmhütte würde eigentlich hervorragend als Schlafplatz dienen, jedoch liegt die Glorer Hütte für unsere morgige Etappe strategisch etwas günstiger, sodass wir diese bevorzugen. Umso mehr genossen wir das leckere Essen und wollten danach zügig weiterziehen. Kathi hat allerdings hat andere Pläne und unterhält sich gefühlt stundenlang mit dem gut bekannten Personal auf der Hütte, weshalb Emma und ich kurzerhand beschließen mit der Gruppe einfach loszuziehen. Aber keine Sorge, liebe Eltern, Kathi hat uns schon bald wieder eingeholt, obwohl die restliche Etappe keine besonders schwierigen Stellen mehr zu bieten hat. Umso mehr kann man die wunderschöne Aussicht hier genießen. Luise bezeichnet diesen Abschnitt als „schönsten der Tour" und es fällt schwer zu widersprechen. Wenn es sich schön läuft, ist auch das Ziel schnell erreicht: die Glorer Hütte, welche mit einer Höhe von 2642 Metern auch unser höchster Schlafplatz ist. Da dies einigen noch nicht genug ist, wird noch ein kurz eine kleine Gipfeltour auf den Weißen Knoten (2878m) unternommen.

Zu Knuts großer Freude gibt es an der Glorerhütte Empfang. Diesmal müssen wir die Bundesligaergebnisse also nicht schätzen. So können wir auch den Blog weiter aktualisieren, was wohl jeden, der das hier verfolgt, freuen wird. Während die „Kinder" im Lager verschwinden beziehen wir unsere Betreuersuite und sind froh, diesen Tag überstanden zu haben. Sicherlich ist es zu dritt nochmal schwieriger, als mit einer bergerfahrenen Person mehr. Wir denken uns aber „jetzt machen wir es erst recht" und sind fest überzeugt davon, am kommenden Freitag trotzdem glücklich und stolz wieder zu Hause anzukommen.

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Tag 9 - 14. August: Elberfelder Hütte

Da der gestrige Eintrag gegen Nachmittag fertiggeschrieben wurde, konnten die Ereignisse des Abends nicht mehr mit aufgenommen werden. Es kam zunächst zur inzwischen routinemäßigen Werwolfrunde mit allen im großen Lager. Aus Emmas und meiner Sicht sehr schön zu sehen, wie die Gruppe immer mehr zusammenwächst und zu einem wirklich guten Team wird. Nachdem die Runde beendet war und um 22 Uhr offiziell Nachtruhe gilt mussten Kathi, Emma und ich notgedrungen noch Zeit in der Stube verbringen, da wir immer noch nicht bezahlt hatten. Effekt der Warterei:  Emma hat sich zum Wettrennen mit dem Küchenjungen um 6 Uhr am heutigen Morgen auf den Hausberg verabredet. So begann der Sonntag sehr früh mit Frühsport. Ich habe mich aus dem Wettrennen schön rausgehalten. Wenn selbst Emma sagt, dass es anstrengend war, muss man wohl von einer klugen Entscheidung sprechen. So kamen wir jedoch ordentlich aufgewärmt zum Frühstück und die folgende Tour startete gleich viel netter. 

Heute teilten wir uns nicht in Gruppen auf, sondern liefen alle zusammen ohne große Abstiege bis zum Fuß des „Bösen Weibl". Leider mussten wir diesen Dreitausender auslassen, da wir uns mit nur drei Betreuern nicht trennen können und der Aufstieg absolute Schwindelfreiheit voraussetzt. So muss unser erster Punkt über 3000 m noch etwas warten, doch es besteht noch Hoffnung auf die Besteigung des „Petzeck“, dem höchsten Berg der Schobergruppe, wenn wir an der Wangenitzseehütte sind. Entschädigt wurden wir gleich heute mit erneut malerischem, völlig wolkenlosen Himmel, sodass wir den Großglockner noch einmal in seiner ganzen Pracht bewundern konnten. 

Anstrengend wurde es nochmal mit dem steilen Aufstieg und der Überschreitung der Kesselkeesscharte, wo wir uns im Hüttenbuch des Gernot-Röhr-Biwaks auf 2960 m noch verewigten. Danach geht es nur noch leicht bergab Richtung Elberfelder Hütte, die man von der Scharte aus mit ein bisschen Suchen bereits erkennen kann. Allerdings zieht sich der Weg schon ein wenig, sodass wir am Ende für die 11 km knapp fünf Stunden gebraucht haben. Nun sind wir also auf der Elberfelder Hütte, wo durch Bilder von Wuppertal an den Wänden schon ein wenig Heimatstimmung aufkommt. Diese Hütte wird von der Alpenvereinssektion Wuppertal betrieben. Umso besser, dass wie hier unseren Pausetag morgen verbringen können und gleich zwei Nächte hier schlafen. Ausspannen und einfach mal nichts tun ist nach den anstrengenden beiden letzten Etappen auch gut und wichtig. Gerade sitzen wir in der gemütlichen Stube und lassen uns von Herbert und Lukas, der mittlerweile den Job des Hüttenwirts von seinem Vater übernommen hat, wie jedes Jahr kulinarisch verwöhnen. Gleich muss ich noch einmal draußen rumrennen, um ein bisschen Netz für diesen Bericht zu erwischen. Diese Hütte liegt wirklich völlig entlegen, sodass wir uns die Zeit anders vertreiben müssen. Allerdings ist es genau das, was die Alpenüberquerung so einprägsam macht. 

Fazit des heutigen Tages: uns geht es super und bis morgen!

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Tag 10 - 15. August: Elberfelder Hütte

Montag ist Pausentag! Und der kommt genau richtig, denn wenn man so durch die Gruppe schaut, schaut sind einige doch etwas erschöpft. Das ist natürlich völlig verständlich, wenn man acht anspruchsvolle Wanderungen hinter sich hat. Esist daher ein echter Segen, mal nicht um sieben Uhr beim Frühstück sein zu müssen, sondern sich nochmal gemütlich im Bett umzudrehen.

 

Beim entspannten Frühstück ohne Hektik zeigt sich auch schon, dass die Ruhe gut getan hat und es den meisten schon wieder besser geht. Ganz ohne sportliche Betätigung geht es dann aber doch nicht und so machen Kathi und Ich mit fünf Motivierten eine kurze Wanderung zu dem ersten der Langtalseen, der aus dem letzten Jahr noch durch besonders kaltes Wasser in Erinnerung geblieben ist. Dies ist selbstverständlich kein Hindernis. Schnell und schmerzlos geht es in das circa 5° C kalte Wasser. Für mehr als ein Foto reicht es aber auch nicht, denn nach wenigen Sekunden friert einem dann doch alles ein und wir machen uns gut eingepackt auf den Rückweg zur Hütte. So ist also unser sportliches Pensum für heute erfüllt, während die anderen lesen, spielen oder noch eine zweite Runde schlafen. Wir werden sehen, ob das Baden vernünftig war, immerhin haben wir morgen nochmal eine anstrengende Wanderung mit gleich zwei Aufstiegen vor uns, bevor die letzten beiden Etappen sich dann doch etwas entspannter gestalten werden. So langsam neigt sich auch die 5. Alpenüberquerung dem Ende zu. Doch noch sind wir ja unterwegs. 

 

Gut dass wir unseren eigenen Raum haben und die anderen Hüttengäste nicht durch unsere Lautstärke gestört werden. Es wird Blackjack und Bull gespielt, natürlich ohne echte Geldeinsätze, dafür umso lauter. Andere ziehen etwas Ruhe vor und genießen einfach die Einsamkeit hier in den Bergen. Angesichts des Alltagsstresses, der ab nächster Woche im Tal auf uns wartet, auch eine sehr gute Entscheidung. Schneller als einem lieb ist steht auch schon das Abendessen auf dem Tisch. Wie immer ist es sehr lecker und die Stimmung ist heute sehr gut. Es liegen drei Bücher mit allen möglichen Liedern bereit (googeln geht ja nicht) und da wir den einzigen potentiellen  Gitarrenspieler dieser Gruppe am Glocknerhaus haben ziehen lassen müssen, singen wir halt a capella. Das klingt bestimmt nicht schön, aber ist uns ja egal, Hauptsache laut.

 

Je länger der Abend wird, desto verrückter werden auch die Gespräche. Am Ende geht es um die (stachelige) Anatomie einer männlichen Katze und diverse andere Themen, die Kathi dazu veranlassen zu überdenken, ob die Durchführung der AG mit 16 vollpubertären Schüler*innen so sinnvoll ist. Aber am Ende ist alles halb so wild, denn nachdem Bens extra in Zell am See gekaufte Box einkassiert ist (hat Thüner nicht extra in der letzten Mail drauf hingewiesen, dass derartiger Kram im Tal zu bleiben hat??) kehrt auch Ruhe im Lager ein und wir schlafen uns gut aus für morgen, denn es wird nochmal anstrengend.

 

Hinter uns liegt ein wirklich schöner freier Tag, den man besser nicht hätte ausgestalten können und auch wenn es nur noch drei richtige Tage sind, die wir zusammen verbringen freuen Emma, Kathi und Ich uns sehr, denn nichts wäre schlimmer als gelangweilte und unmotivierte Teilnehmer. Mittlerweile  ist jeder angekommen in der Gruppe und das ist das wichtigste an diesem Projekt.

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Tag 11 - 16.August - Wangenitzseehütte 

Ausgeruht und mit frischer Energie starten wir nach dem freien Tag in die letzten Tage der Alpenüberquerung und die heutige Tour hat wirklich nochmal alles von uns abverlangt. Es ist die letzte „echte“ Bergtour, noch einmal mit allem, was dazu gehört. Jedoch ist das Ziel dieses Tages jede Anstrengung wert. Aber der Reihe nach: 

Zunächst frühstückten wir zum zweiten Mal auf der Elberfelder Hütte, zwar nicht so entspannt und zeitvergessen wie gestern, aber der frühe Aufbruch ist nun auch nichts Neues. Selbstverständlich machten noch das obligatorische Gruppenfoto vor der Elberfelder Hütte mit Hüttenwirt Lukas. Danach konnten wir aufbrechen und mussten als erstes die Gößnitzscharte überqueren. Das bedeutet etwa anderthalb Stunden durchgehenden Anstieg durch das ehemalige Gletscherkar des Gößnitzkees. Nicht wirklich angenehm zu gehen. Oben angekommen wartet auch eher eine mäßige Aussicht. Geröllfelder sind nicht wirklich ansehnlich. Allerdings wollen wir hier ja nicht bleiben und steigen ab Richtung Lienzer Hütte, die allerdings nur unserer Mittagspause dient. Mit jedem Meter Abstieg wird die Landschaft grüner, lieblicher und und am Ende hat man fast das Gefühl im Auenland Tolkiens gelandet zu sein. So plätschert ein Bach, es sind Holzskulpturen zwischen Nadelbäumen zu sehen, Brücken verbinden die Wege und lassen uns trocken an der Hütte ankommen. Dort wird kurzerhand der Vorrat leergegessen. Nachdem Emelie erfährt, dass das Wiener Schnitzel aus ist steigt sie kurzerhand auf Schweinsbraten um, während ursprünglich nur ein kleines Stück Kuchen geplant war. Man muss in den Bergen einfach flexibel sein! Wenn jedoch die duftenden Teller an den Tischen vorbeiziehen kann man nun mal schwer widerstehen. Wandern macht eben hungrig. 

Während wir auf das Essen warten, werden manche wieder zum Kind und toben sich auf dem anliegenden Wasserspielplatz aus. Auch Pferde und Esel stehen zum Streicheln bereit. Man merkt, dass wir nicht mehr so einsam abgelegen sind wie in den letzten vier Tagen. Nachdem wir dann unsere ausgiebige Mittagspause beendet hatten, ging es weiter. Der Aufbruch gestaltet sich allerdings nicht ganz so einfach, da wir an anderen Tagen um die Zeit die Tageskilometer hinter uns hatten. Auf dem Wegweiser sind dann auch noch vier Stunden Gehzeit bis zum Ziel angegeben, die sich allerdings zum Glück eher auf drei reduzieren. Wir sind schließlich voll im Training! Trotzdem zieht sich der Weg schier endlos. Ganz zum Schluss folgt der Aufstieg zur  Unteren Seescharte, der zweite hochalpine Übergang des Tages. Doch mit geregeltem Tempo und ein bisschen Zähne zusammenbeißen kommen wir oben an. Der Wangenitzsee und der Kreuzsee begrüßen uns und entlohnen für die anstrengende Passage hier raus. Der Weg hat sich mehr als gelohnt und nach dem Einchecken gehen Emma und ich mit allen zur Abkühlung zum See, der diesmal nicht so kalt ist. So bleiben wir hier auch etwas länger. Schwimmen mit so einem  wunderschönem Bergpanorama im Hintergrund wird man wahrscheinlich so oft nicht mehr haben. So vergessen wir auch völlig die Zeit, bis  das Abendessen ansteht. Den restlichen Abend verbringen wir wie an den anderen Tagen und genießen nochmal das Zusammensitzen, denn das ist unser vorletzter Hüttenabend. Leider muss der Wecker um 0 Uhr zu Mikas Geburtstag ausbleiben, da nunmal Hüttenruhe herrscht, aber da für morgen hervorragendes Wetter angesagt ist, wird das sicherlich ein sehr schöner Tag. Und den Geburtstag kann man auch auf der Winklerner Hütte gebührend feiern. Die haben wir nämlich komplett für uns!

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Tag 12 - 17. August - Winklerner Hütte 

Der Morgen von Mikas Geburtstag erwartete uns mit traumhaften Sonnenschein über dem Wangenitzsee. Theoretisch hätte man heute den Petzeck besteigen können, aber da das erstens viel Zeit in Anspruch nimmt und wir das zu dritt auch nicht vernünftig managen können, müssen wir verzichten. Leider bleiben wir also bei dieser Tour unter 3000m aber das wäre ja nur etwas für den Kopf. Durch den weggefallenen Gipfel gestalten wir den Morgen sehr entspannt und legen nach wenigen Metern erstmal eine entspannte Pause an der legendären Wangenitzseebrücke ein, die ein wirklich erstklassiges Fotomotiv ist. Die Sonne strahlt und so lassen wir uns bräunen und genießen einfach das Panorama. Andere wollen mehr Action und suchen immer größere Steine, die sie von den Klippen schmeißen, wer's mag bitte schön.  Offensichtlich sind wir doch mit Kindern unterwegs (auch wenn diese Kinder dasn sicher vehement bestreiten werden...).

 

Irgendwann brechen wir dann auch auf und steuern auf die insgesamt siebte und letzte Scharte der Überquerung zu, die obere Seescharte. Das ist auch der letzte Anstieg der Tour, denn am restlichen Tag und morgen geht es nurnoch bergab gen Lienz. Allerdings müssen wir uns auch bald schon von den inzwischen so vertraut gewordenen Bergewegen verabschieden und uns mit Forst- und Almwegen unter unseren Füßen anfreunden. Trotzdem zieht es sich noch etwas zu unserer Hütte, zwar haben wir schon viele Kilometer zurückgelegt, aber diese einfachen Wege gehören nun mal dazu. Das ist eher Spazieren aber kein Wandern, nur wollen wir jetzt auch nicht abheben... 

 

Mit der Winklerner Hütte erwartet uns allerdings alles, was man von einer Hütte in den Bergen erwartet. Hervorragendes Essen, ein fröhliches Hüttenteam und eine gemütliche Almstimmung mit plätscherndem Wasser und grünen Bäumen, ganz anders als hoch oben auf den Hütten der letzten Tage. Noch sind einige Tagesgäste hier, doch nach und nach verschwinden diese ins Tal. So können wir den Tag auf der Hütte ganz für uns genießen und spielen Abends alle gemeinsam eine Runde Activity. Kathis Talent für Pantomime wird sofort endeckt.

 

Schneller als man es fassen kann ist es auch schon 22 Uhr und der letzte Hüttenabend ist vorbei. Kaum zu fassen, dass sich auch so eine lange Tour doch leider dem Ende zuneigt. Der einzige Trost ist grade, dass es noch zwei Tage dauert bis wir wieder in Wuppertal sind. Jetzt müssen wir schlafen um die lange Etappe nach Lienz morgen nochmal gut zu schaffen, damit wir uns unsere Zielpizza auch verdient haben. Und wer sagt, dass man das letzte Mal in den Bergen gewesen ist? Wer auf dieser schönen Route nicht Lust auf mehr bekommt, der ist vielleicht doch im Club auf Malle besser aufgehoben. Morgen gehts ins Ziel und die Alpenüberquerung 2022 ist geschafft.

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Tag 13 - 18. August - Lienz

Heute ist Donnerstag und damit unser letzter Wandertag. Dieser ist allerdings schneller wieder vorbei als er angefangen hat. Für den Mittag sind Gewitter angesagt, also wissen wir, dass wir zügig loslaufen müssen um trocken in Lienz anzukommen. Der Himmel öffnet allerdings schon morgens seine Schleusen und als es auch noch anfängt zu gewittern ist klar, dass wir nicht durch den Wald absteigen können. Da wir aber ohnehin Privatbehandlung auf der Winklerner Hütte genossen haben, bieten der Hüttenwirt und seine Frau sofort an uns zur Bushaltestelle zu fahren. Dafür bedanken wir uns an dieser Stelle sehr herzlich, haben wir doch so die Chance einigermaßen trocken und sicher unsere Bergtour zu beenden. Ein Gewitter, verbunden mit Starkregen ist in den Bergen alles, jedoch kein Vergnügen! Die Fahrt runter nach Iselsberg gestaltet sich dann wie in einem indischen Zug oder auf einer Piste im Himalaya. Neun Leute sitzen auf vier Quadratmetern in einem Transporter förmlich aufeinander und werden auf dem Weg nach Iselsberg durchgeschaukelt. Aber das Leben ist halt wie ne Tür, musste durch. Von Iselsberg geht es nach kurzer Pause dann mit dem ordinären Linienbus nach Lienz. Zum Glück ist für Emma und mich kein Platz mehr und wir bekommen eine Privatfahrt bis vor die Hoteltür. Als Co-Chefs genießen wir anscheinend doch etwas mehr Priorität. Jedenfalls fühlt sich das gut an...  

 

Am Ende machen wir natürlich das Siegerfoto am Brunnen. Es ist schon komisch, dass das bereits um 10 Uhr morgens passiert, aber manches kann man halt nicht planen. So haben wir einen ganzen Tag in Lienz und genießen den Luxus, einfach in einen Supermarkt gehen zu können und zu kaufen, was wir wollen. Nach zwei Wochen auf abgelegen Alpenhütten lernt man so etwas auch zu schätzen. Selbst ein McDonalds Burger kann dann auf einmal echt gut schmecken. Irgendwann können wir dann auch auf unsere Zimmer und uns endlich frisch duschen. Für Emma und mich nach drei Tagen Verzicht ein echter Segen und auch das Zeichen angekommen zu sein.

 

Doch die Unwägbarkeiten dieser Tour hören auch am Ende nicht auf. Unser traditionelles Pizzaessen ist in Gefahr. Es ist Hochsaison und unsere Gruppe ist einfach zu groß. Erfolglos klappere ich die Pizzerien der Stadt ab und frage nach einem Tisch, doch erhalte am Ende nur Absagen. Netterweise erlaubt uns das Hotel Sonne Pizza zu bestellen und wir bekommen einen ungenutzten Speisesaal ganz für uns. Auch das sicher keine Selbstverständlichkeit und dem Hotel und seiner Leitung sagen wir auch hier ein dickes Dankeschön! Nachdem der Magen sich gefüllt hat,  gehen die meisten nach draußen, denn wie für uns gemacht ist heute Midnight-shopping mit Livemusik in Lienz. Das endet allerdings um 22 Uhr und Chefin Kathi ordnet an, sich um 23 Uhr spätestens im Hotel einzufinden. Auf jeden Fall ist dieser Abend der Abschluss, morgen fährt um acht Uhr unser Zug. Da wir mit der Bahn unterwegs sind, könnte sich das wahrscheinlich abenteuerlicher gestalten, als die meisten Wanderungen oben im Hochgebirge.

 

Unsere Überquerung allerdings endet hier in Lienz und trotz des Wegfalls der letzten Etappe, kann jede und jeder stolz darauf sein, diese Wanderung mit eigener Kraft durchgezogen zu haben.

 

Mit der Ankunft in Lienz endet nicht nur die 5. Alpenüberquerung der St. Anna Schule, sondern auch fürs erste dieser Blog. 

Wir bedanken uns bei Benedikt Stratmann für die Pflege und das aktuelle Einstellen der Bilder und Berichte. Und natürlich bedanken wir uns bei allen Sponsoren, die so großzügig gespendet haben; den Eltern, die uns ihre Kinder anvertraut haben; den Hüttenwirten und allen Gastgebern unterwegs für die immer wieder tolle Gastfreundschaft, für die Hilfe bei schlechtem Wetter, das Entgegenkommen bei den Preisen und das großartige Essen!

 

Jedem sei empfohlen, sich für diese AG zu bewerben, wenn es demnächst wieder los geht. Diese Überquerung des Alpenhauptkamms ist einfach ein einmaliges und prägendes Erlebnis in grandioser Natur, die einem eine Menge abverlangt, aber so viel auch zurück gibt. Es gilt die alte Weisheit, dass keiner genau so vom Berg herunter kommt, wie er oder sie zu Beginn raufgelaufen ist. Alleine diese Erkenntnis, verbunden mit der Erfahrung, sich mutig auf Unwägbares eingelassen und dies ausgehalten, wenn nicht sogar gemeistert zu haben, ist die beste Vorbereitung aufs Leben!

 

In diesem Sinne: es war wieder mal gut!

 

Texte: Oliver Thüner (Tag 1 - 7) / Mark Voorbrock (Tag 8 - 13)

Fotos: Katharina Meerpohl & Oliver Thüner

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Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren

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